When the Music´s Over….


When the Music´s Over

Deconstructing a city´s agenda


Die Theresienwiese ist kein Ort – sie ist ein Zustand.
Für wenige Wochen im Jahr entsteht hier eine hochverdichtete, temporäre Stadt: ein Gefüge aus Ritualen und Körpern, Kontrolle und Kontrollverlust, Exzess und ökonomischer Maximierung – provisorisch, überdimensioniert, exzessiv präzise organisiert.

Und dann: Stille.

Was bleibt, ist eine Leere, die zu groß ist, um neutral zu sein. Eine Fläche, die so tut, als wäre nichts gewesen. Ein Rasen mit Gedächtnislücken mitten im Zentrum Münchens. Eine Leerstelle, so groß wie ihre symbolische Aufladung.
Diese zeitliche Asymmetrie ist kein Zufall. Sie ist Ausdruck einer spezifischen städtischen Ordnung: Öffentlicher Raum wird hier nicht kontinuierlich genutzt, sondern periodisch freigegeben. Zwischen Ausnahmezustand und Alltag entsteht ein Sperrbezirk – räumlich, sozial und kulturell. Ein Ort, der alles kann, aber fast nichts darf.

When the Music’s Over versteht diesen Zustand als Einladung, nicht zur Reparatur sondern zur Dekonstruktion.

Der Skandal liegt nicht im Rausch.
Er liegt in der scharfen Trennung von Ausnahme und Alltag, von Exzess und Öffentlichkeit, von Nutzung und Leere. Die Theresienwiese ist hochgradig organisiert – aber nur temporär. Sie ist infrastrukturell vorbereitet – aber nicht dauerhaft nutzbar. Sie ist öffentlich – aber nur unter bestimmten Bedingungen.

Was wäre, wenn das Fest nicht verschwinden müsste, um Stadt zu sein?
Was, wenn das Alltägliche ein bisschen taumeln dürfte?
Und wie lässt sich Feiern nicht als Störung, sondern als kulturelle Praxis in eine dauerhafte
Stadtstruktur einschreiben?
Wie kann aus der periodischen Ausnahme eine produktive Kontinuität entstehen?

METHODE
Die Wiese ist nicht leer.
Sie ist ein Fundus, ein Archiv dessen, was vom Rummel übrig bleibt: Gerüste ohne Funktion, Theken ohne Tresen, Pflanzen ohne Kontext, Kabel, Zäune, Böden, Möbel, Maschinen. Dinge, die einmal Teil eines kollektiven Zustands waren – und wieder werden wollen.

Die Wiesn – mit allem, was wir auf ihr finden – ist unser Bestand.
Unser Rohstoff.
Unser Feld für Urban Mining.

Jede Studierende besetzt eine Parzelle und beginnt zu graben, zu sammeln, zu verschieben. Aus Fragmenten entsteht ein neuer Stadtteil – nicht ordentlich, nicht fertig, nicht eindeutig. Ein Stadtteil, in dem kollektives Feiern kein Ausnahmezustand am Rand des Komasaufens ist, sondern eine selbstverständliche kulturelle Praxis.Architektur wird dabei nicht als Kulisse verstanden, sondern als dauerhafte Infrastruktur für wechselnde soziale Zustände: installativ, adaptiv, robust und offen. Temporäre Intensitäten treffen auf permanente Strukturen. Nutzung, Umbau und Aneignung sind keine Störungen, sondern integraler Bestandteil des Entwurfs.

ZIEL
When the Music’s Over denkt die Theresienwiese als vibrierenden Ganzjahreszustand.
Die Projekte zeigen, wie permanente Architektur temporäre Verdichtung aufnehmen kann, ohne ihre Offenheit zu verlieren. Sie untersuchen, wie öffentlicher Raum nicht nur als Ereignis, sondern als dauerhafte soziale Ressource funktioniert – für Alltag, Ausnahme, Überschuss und Leerlauf gleichermaßen.


Denn vielleicht ist das eigentliche Problem nicht,
dass hier nur einmal im Jahr gefeiert wird –
Sondern,
dass wir den Rest der Zeit so tun,
als gäbe es nichts zu feiern.


Denn When the Music’s Over,
ist kein Ende.
Es ist der Moment, in dem man bleibt,
während alle anderen schon gehen

Erstes Treffen am Mittwoch 04.03.2026 um 10:00 Uhr am ./studio3

Wir treffen uns immer am Mittwoch.

Kathrin Aste & Walter Prenner

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