THE SECOND CHANCE – or the great repair of a gift you can`t refuse

2025
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Kurz vor Weihnachten des Jahres 2023 erhielt der damalige Bürgermeister Georg Willi im Namen der Stadt Innsbruck, vom Landeshauptmann Anton Mattle ein Geschenk, das es in sich hat: die denkmalgeschützte Rotunde, das ehemalige Riesenrundgemälde im Innsbrucker Saggen.

Seit der Übersiedelung des Riesenrundgemäldes ins Tirol Panorama am Bergisel 2011 steht die Rotunde nun leer und ist dem Verfall ausgeliefert. Zahlreiche Studien und Diskussionen über die Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes führten bis heute zu keinem konkreten Ergebnis. 

1907 wird die Rotunde am Innsbrucker Rennweg, geplant von Josef Retter, errichtet um dem 1896 von Michael Diemer angefertigten Rundgemälde zur 3. Bergiselschlacht eine Raumkulisse zu bieten. Nach einer zwischenzeitlichen Leihgabe des Gemäldes an den Wiener Prater wird die Rotunde mitsamt des Rundgemäldes 1924 an den Innsbrucker Gastwirt Josef Hackl versteigert, anschließend saniert und um eine gastronomische Nutzung erweitert. 1970 kauft die Raiffeisen Landesbank Tirol die Rotunde und nimmt eine Generalsanierung vor. Als eines von weltweit 28 noch existierenden Panoramen aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg zählte das Rundgemälde in der Rotunde bis 2010 zu den letzten 3 im Originalgebäude erhaltenen Rundgemälden.

Durch den Neubau das Panorama Museums und die damit einhergehende Übersiedlung des Rundgemäldes an den Bergisel verliert die damit leere Rotunde schlagartig an Bedeutung und wird zu einem Rahmen ohne Leinwand.
Dass das sanierungsbedürftige Gebäude auch bei einer kostenlosen und lastenfreien Schenkung eine finanzielle Herausforderung für die Stadt darstellt, steht außer Frage, genauso wie das Wissen um das Potenzial dieses Ortes und dass man dieses Geschenk nicht zurückweisen kann. Ist doch das denkmalgeschützte Gebäude eigenartig und widerständig genug, um eine zweite Chance zu verdienen und die Adresse, unmittelbar am Inn gelegen, eine der besten der Stadt. Angrenzend an die Talstation der alten Hungerburgbahn und in unmittelbarer Nähe zur Mittelschule Kettenbrücke, dem Gymnasium Kettenbrücke und dem Katholischen Oberstufen-Realgymnasium birgt dieser Ort ein enormes Potential um auch jüngere Generationen zu erreichen.  Diese Faktoren lassen auf ein Ensemble hoffen, dass eine Strahlkraft entwickeln könnte, weit über die Grenzen der Stadt hinaus.

Vor diesem Hintergrund wendete sich die Stadt Innsbruck an das ./studio3 und seine Studierenden mit der Idee das Areal intensiv zu studieren und die Möglichkeiten eines Zentrums für Jugendkultur, zu entwickeln. Dabei wurden Entwürfe erarbeitet, die sowohl das Riesenrundgemälde, die Hungerburgbahntalstation als auch den Platz dazwischen, in eine neue Zukunft denken.

Sowohl die angedachte Nutzung als auch die beschränkten Mittel und das Bewusstsein für die gegenwärtigen Herausforderungen Verlangen nach Wiederaneignung, Solidarität, Pluralität und Suffizienz. Für das Arbeiten mit Bestand bedeutet das – im buchstäblichen wie übertragenen Sinne – weniger Denkmalpflege und mehr Substanzpflege. Dabei werden die vorhandenen materiellen Artefakte und das ökologische und soziale Gefüge als Ausgangspunkt akzeptiert, ohne eine rückwärtsgewandte Restauration oder unkritische Übernahme zu betreiben.
Über die Dauer von 1.5 Jahren, entstanden in Summe 24 individuelle Einzelprojekte, welche neue Potentiale zur Transformation der Rotunde erforschen. Im Sommersemester 2025 mündeten Fragmente verschiedenster Entwurfselemente in eine prototypische 1:1 Übersetzung, welche von den Studierenden entworfen, geplant und umgesetzt wird. 

Am 18.Juni.2025 wurden schließlich die Arbeiten der Studierenden und die Studie selbst der Öffentlichkeit in St. Bartlmä vorgestellt. Dazu wurden VertreterInnen aus der Politik, vom Denkmalamt, dem Landes Bauamt und aus verschiedensten kulturnahen Institutionen, zu einem gemeinsamen Gespräch eingeladen. Mehr über die Veranstaltung finden Sie HIER.

Supervisors: Walter Prenner, Raffael Schwärzler

Students: Horeis Maila, Kirchmair Fabian, Kuen Hanna, Leuprecht Liv Ninette, Marks Florenz Gabriel, Müller Leandro, Vogl Sophie, von Barby Vincent Levin, Weber Konstantin Horst Josef, Wegscheider Carina, Wehner Mirjam Monika, Wurm Johanna, Wurzer Ariane, Yilmaz Hüseyin

Supported by: Architekturwerkstatt Uni Innsbruck

Hanna Kuen
Vincent van Barby
Konstantin Weber
Carina Wegscheider
Fabian Kirchmair
Florenz Marks
Hüseyin Yilmaz
Johanna Wurm
Leandro Müller
Liv Leuprecht
Maila Horeis
Mirjam Wehner
Sophie Vogl
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