ひきこもり
Hikikomori
japanisch
einkapseln, sich in sein Inneres zurückziehen.
Seit dem Aufstieg Japans zu einer der weltweit führenden Industrienation findet eine kontinuierliche Optimierung der Gesellschaft auf Hochleistung ohne Kompromisse statt. Diese Hochleistungsgesellschaft ist zugleich Quelle und Katalysator für die Entstehung von gravierenden psychischen und sozialen Problemen. Einige dieser Probleme sind so allgegenwärtig, dass es eigene Wörter dafür in der japanischen Sprache gibt. Fälle von Karoshi – Tod durch Überarbeitung, Karou-jisatsu – Selbstmord mit arbeitsbedingtem Hintergrund sind in Japan mittlerweile zu Alltagserscheinungen geworden. Diese Phänomene sind aber längst nicht mehr allein auf Japan beschränkt, sondern treten weitgehend global auf. Als Hikikomori (japanisch für „sich einschließen; gesellschaftlicher Rückzug“) wird in Japan sowohl das Phänomen selbst als auch die Gruppe von Betroffenen bezeichnet, die sich freiwillig in ihrer Wohnung oder ihrem Zimmer einschließen, diese oft für Jahre nicht mehr verlassen und der Kontakt zur Gesellschaft entweder extrem reduziert wird oder nur noch rein virtuell stattfindet. In Extremfällen verlassen die Betroffenen selbst ihr Zimmer innerhalb der Wohnung nicht mehr und brechen den Kontakt auch zur engsten Familie ab. Der Bedarf an physischem Raum reduziert sich auf ein Minimum und virtueller Raum gewinnt an Bedeutung. Welche Auswirkungen hat dieser räumliche Paradigmenwechsel auf die Betroffenen und wie kann dieser architektonisch interpretiert werden.

