ATMOSPHÄRE

BAD GASTEIN

David Kranebitter

2020
Supervisor: Kathrin Aste

Der Bauplatz – Kongresszentrum 1974 wurde das vom Salzburger Architekten Gerhard Garstenauer entworfene Kongresszentrum nach vierjähriger Bauzeit fertiggestellt. Erbaut wurde es zur Unterbringung großer Kongresse mit weit über tausend Teilnehmern und zur Schaffung eines Zentrums für Bad Gastein mit einem großzügigen Vorplatz.

1975 erhielt Dr. Garstenauer den Salzburger Architekturpreis für die beispielhafte Einbindung des Kur- und Kongresshauses in das städtische Gefüge und für die Lösung der extremen Bauplatzsituation. Eingenistet an der Kaiser Franz Josef-Straße unmittelbar an den Gasteiner Wasserfällen (85 m & 63 m Fallhöhe) legt sich der imposante Betonbau, im Gegensatz zu den meisten Bauwerken in der Umgebung, horizontal in das Gelände. Direkt am Steilhang des Talschlusses liegend, besitzt es einen der aussichtsreichsten Lagen und füllt mit 120 m Länge den Platz zwischen den beiden östlich und westlich angrenzenden Nachbargebäuden aus. Durch den Überhang über die natürliche Geländekante von etwa 14 m spannt es eine Breite von ca. 50 m auf. Südseitig liegen die Geschosse auf Stützmauern auf, nordseitig auf sieben H-förmigen Pfeilern mit einem Ausmaß von 8×8 m, welche auf bis zu 12 m hohen quadratischen Pfeilern von 2×2 m liegen.

Das auf einen Stützenraster von 7×7 m basierende Bauwerk besteht aus 3637 Sichtbeton-Fertigteilen.[14] Nur die Fundamentierung, die aufwendige Konstruktion der Saaldecke und die Treppen wurden in Ortbeton ausgeführt. 

[14] Lampl T., Klein P. (1991). Bautenkatalog – Kongreßzentrum.  

Als Gegenpol zu den entstehenden Luxuszimmern am Straubingerplatz soll der künstlerischen Arbeit hier im Ort ein Nährmedium geboten werden. Als Bauplatz soll das Kongresszentrum zur Verfügung stehen. Ein imposanter Betonbau des Architekten Gerhard Garstenauer aus den 1970er-Jahren, welches Teil seines mehrere Gebäude umfassenden “Projekt-Gastein” war.[4] Es stellte 2007 seinen Betrieb komplett ein. Ziel soll sein, aus und mit der spezifischen Atmosphäre Bad Gasteins einen Ort zu entwerfen, welcher Kreativen und Kunstschaffenden aus aller Welt als temporäres Arbeitsumfeld zur Verfügung stehen soll. Bad Gastein hatte schon immer eine Anziehungskraft die Kunstinteressierte ansprach, auf diese Qualität soll aufgebaut werden. Hierfür benötigt es Arbeitsräume, welche vielseitig bespielbar sind. 

[4] Garstenauer, G. (2002). Gerhard Garstenauer: Interventionen. Pustet. 

Seit meinem ersten Besuch 2015 stellte ich mir immer wieder die Frage, was Bad Gastein (für mich) so besonders macht. Offensichtliche Gründe wie die Lage im Gebirge, die Thermalquellen und auch die klar ablesbare Geschichte des Ortes sind prägend. Doch Altstädte sind meine in Österreich sensibilisierten Augen gewöhnt. Meist meide ich sie aufgrund der Touristen, die in Massen durch die engen Gassen gedrückt werden, den überteuerten Cafés oder den Ansammlungen kitschiger Kühlschrankmagneten. Das fällt im historischen Ortskern Bad Gasteins – aktuell noch – weg. Hier schlendert man durch die Straßen und kann die hohen Gebäude in Ruhe betrachten, ohne dabei in eine geführte Truppe zu stolpern. Auch seine Lage direkt im Steilhang und der mächtige Wasserfall unterstreichen den Charme dieses eindrucksvollen Ortes.

Jedoch muss ich mir eingestehen, dass die Ortschaft ohne seine leerstehenden Bauten einen großen Teil seines Charmes zumindest für mich verlieren würde. Mich faszinieren vergilbte Schilder von Geschäften, die es so nicht mehr geben kann. An gebrochenen Stellen einer Fassade zähle ich die Schichten des darunterliegenden Mauerwerks. Ich wundere mich gerne darüber, wieso man ein so aufwendig zu erstellendes Gesims nicht instand hält oder wer so einen prunkvollen Kronleuchter einfach hängen lässt. Vor Fenstern, die meinen Blick durch unterschiedlichste Ablagerungen filtern, bleibe ich länger stehen. Farne und Moose, die zwischen alten Holzdielen wachsen, Staubablagerungen, die die Wege der wenigen Besucher zeigen.

All diese Momente scheinen an diesem Ort konzentriert zu sein. Hier wundere ich mich jedes Mal aufs Neue, wenn der Linienbus an mir vorbeifährt und mich wieder zurück ins 21. Jahrhundert holt. Bad Gastein reißt mich aus meinem Alltag, lässt mich ruhig werden und meine Gedanken neu ordnen.

Es hat eine eigene Ästhetik, es spannt eine Atmosphäre auf, die mich inspiriert.

Doch wie definiert sich eine Atmosphäre im ästhetischen Sinn? Aus welchen Komponenten bildet sich eine Atmosphäre? Können Atmosphären geschützt werden?

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