Architectura sylvestris

Georg Ganglmayr

2025

Supervisors: Kathrin Aste, Walter Prenner

Der Mensch verbrachte 99% seiner bisherigen evolutionsgeschicht­lichen Vergangenheit in der freien Natur. Muster, Lichtstimmungen und Atmosphären, die Schutz und Nahrung versprachen, wurden über Jahrtausende erlernt, gezielt aufgesucht und langfristig im Ge­dächtnis abgespeichert, um die Chancen des Überlebens zu erhö­hen. Diese tief mit uns verknüpften räumlichen Elemente bewirken bei deren Erkennen auch heute noch messbare positive Auswirkun­gen auf Psyche und Körper.

Dennoch entstand mit der Zeit eine räumliche Abgrenzung, sowie folgend eine selbstinduzierte kulturelle Distanzierung des Menschen von der Natur. Er erachtete sich selbst zunehmend der Natur überle­gen und versuchte, diese zu entwerfen. Doch der Drang nach Natur blieb– über die Epochen hinweg in variierender Intensität– erhalten.

Da Menschen gegenwärtig durchschnittlich 90% ihrer Zeit in artifi­ziellen Räumen verbringen, könnte das Einfangen der Qualitäten von Naturräumen und das Übersetzen in gebaute Räume die Architektur und Aufenthaltsqualität in selbiger, durch das Ansprechen dieser tief in uns verwurzelten Verbindung zur Natur, stark bereichern.

In diesem Projekt soll deshalb eine experimentelle Übersetzung von Natur, mit dem Vorbild europäischer Wälder, in gebautem Raum er­forscht werden. Auf die Integration von Pflanzen ins Gebäudeinnere oder deren Reduktion auf ornamentale Elemente, wird hier bewusst verzichtet, um die Diskussion über andere Aspekte der Natur und Landschaft, im Zusammenhang mit Architektur, anzuregen. Die Ele­mente der Überlagerung, Transparenz, Muster und Rhythmen, Licht­stimmung, sowie die räumlichen Qualitäten stehen im Zentrum die­ser Arbeit.

Es soll somit kein gebauter Wald entstehen, sondern eine Analyse und Übersetzung dieser erkannten Qualitäten in abstrakter Form stattfinden.

Die Analyse und Katalogisierung zahlreicher Waldfotos bilden die Grundlage für Untersuchungen, die zu tektonischen Übersetzungen ausgearbeitet werden. Es entsteht ein Pool aus architektonischen Interpretationen, die zum Assemblieren und experimentieren einla­den sollen.

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