ADAPT ADAPT
Im kommenden Sommersemester setzen wir uns mit der Frage auseinander, wie dauerhaft Architektur in einer Welt sein muss, deren soziale, ökologische und politische Rahmenbedingungen sich stetig verändern. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass viele etablierte Bauweisen nur begrenzt in der Lage sind, flexibel und zeitnah auf neue gesellschaftliche Anforderungen zu reagieren.1 Im Fokus steht dabei eine Vorstellung von Langlebigkeit, die nicht aus Starrheit, sondern aus Anpassungsfähigkeit entsteht.2
Wie kann Architektur situativ handeln und dabei verantwortungsvoll und nachhaltig bleiben? Wo besteht konkreter Handlungsbedarf, und welche räumlichen Bedürfnisse werden aktuell formuliert? Neben sozialen und programmatischen Fragen spielen auch klimatische Bedingungen eine zentrale Rolle: sie erzeugen zeitlich begrenzte, aber sehr konkrete räumliche Anforderungen.
Temporäre und wiederverwendbare Strukturen, im praktischen Sinne, können diesem Prinzip folgen: Sie reagieren situativ auf aktuelle Notwendigkeiten und entfalten ihr Potential nicht in statischer Dauer, sondern in der Fähigkeit, sich durch Umbau, Wiederverwendung und Transformation fortlaufend zu verändern.1
Ausgehend von der Publikation contemporary architecture – Structures of Necessity von KOSMOS Architects begreifen wir temporäre Strukturen nicht als provisorische Ausnahme, sondern als eigenständige architektonische Praxis: »utilitaristische temporäre Strukturen reagieren unmittelbar auf veränderliche Bedingungen und lassen sich als Momentaufnahmen der Realität lesen – als Spiegel aktueller Probleme, Ressourcenlagen und gesellschaftlicher Anforderungen.« 1
> learning from the temporary
adapt adapt folgt den Logiken von Strukturen, die als relationale Systeme entstehen. Im Zentrum steht weniger das einzelne Bauteil als vielmehr das Zusammenspiel autonomer Elemente, ihre Verbindungen und die Prozesse, die daraus hervorgehen.
Mithilfe von Transposition, Rekontextualisierung, Assemblage, Adaption sowie Disassembly und Reassembly werden Materialien und Bauteile in neue räumliche, zeitliche und soziale Zusammenhänge überführt. Dabei testen wir ihr Verhalten unter veränderten Bedingungen, verschieben Bedeutungen und entwickeln hybride Gefüge, die im Dialog mit Bestand, Übergängen und Leerstellen adaptiert werden. Architektur wird so als offenes, veränderbares System verstanden, dessen Elemente gelöst, neu kombiniert und fortlaufend angepasst werden können.
Ziel ist es, Interventionen zu entwickeln, die als performative Praxis den Raum aktiv bespielen. Durch experimentelles Handeln werden Räume auf vielfältige und unmittelbare Weise erfahrbar. Die Anpassungs-, Umnutzungs- und Transformationsfähigkeit dieser Installationen ermöglicht es, flexibel auf unterschiedliche Anforderungen zu reagieren und gleichzeitig situative Verbindungen zwischen Menschen und ihrer Umwelt herzustellen. So können temporäre, flexible Installationen zu langfristigen architektonischen Systemen heranwachsen, die sich kontinuierlich weiterentwickeln und an neue Bedingungen anpassen. – »Wandelnde Anforderungen erfordern dabei einen Paradigmenwechsel: weg von der Gestaltung für ein fixes Programm, hin zur Planung zukünftiger Anpassungen.«1
Architektur verstehen wir damit als reparierende, verbindende und sorgende Praxis – als räumliche Antwort auf aktuelle Krisen, Übergänge und Unsicherheiten.2 Die Projekte sollen sich als räumliche Reparaturakte lesen lassen, in denen Nutzung, Material und Zeit zu einem offenen, lernenden System verschmelzen.
1 KOSMOS Architects: contemporary architecture – Structures of Necessity
2 Arch+: The Great Repair – Politiken der Reperaturgesellschaft


