Supervisors: Kathrin Aste, Verena Rauch
Dieses Projekt untersucht, wie ein literarischer Text in ein künstlerisch-architektonisches Projekt übersetzt werden kann, ohne sich auf verbreitete narrative Methoden zu stützen. Statt eine Geschichte räumlich nachzuerzählen, steht die Entwicklung einer allegorischen Praxis im Vordergrund, die nicht linear ordnet, sondern Bedeutungen fragmentiert, transformiert und überlagert. Ausgangspunkt ist die Frage, wie architektonische Konzepte entstehen können, wenn man nicht der Logik des Narrativs folgt, sondern einer Denkweise, die Mehrdeutigkeit, Assoziation und räumliche Imagination betont.
The Historians Book 39: The Rise and Fall of Gestures Drama von Peter Greenaway dient als literarisches Ausgangsmaterial für die allegorische Übertragung einzelner Fragmente in eine räumliche Figur: die Insel. Die Insel wird zum isolierten Bedeutungsraum, in dem Gesten als skulpturale Objekte erscheinen und neue Beziehungen eingehen können. Der Prozess basiert auf Aneignung, Übersetzung und Re-Kontextualisierung: Text wird Bild, Bild wird Objekt, Objekt wird Raum. Die Bedeutung entsteht dabei nicht durch die Abfolge von Ereignissen, sondern durch die Vertiefung von symbolischen und sinnlichen Korrespondenzen.
Dieses Vorgehen hat das Ziel, eine Alternative zum dominanten narrativen Denken sichtbar zu machen. Die Allegorie ermöglicht einen künstlerischen Zugang zu Architektur, der nicht erklärt, sondern erfahrbar macht; der nicht festlegt, sondern öffnet; der nicht eine Wahrheit, sondern mehrere mögliche Lesarten hervorbringt.

