Under your Skin
Im diesjährigen Bachelor-Entwerfen 3 widmen wir uns mit vollem Fokus einem sehr spezifischen Gebäudeelement, der Fassade.
Im Sinne der Herausforderungen des kreislaufgerechten Handelns und mit dem Ziel diesbezüglich neue Strategien zu entwickeln, stellen wir uns die Frage, wie ein zeitgenössisches Krisenbewusstsein nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch, durch das Gesicht eines Gebäudes Ausdruck nach Außen und auch nach Innen finden kann. Reflektiert vor Gottfried Sempers oft zitierter „Theorie der Bekleidung“, welche die äußere Hülle einer Architektur als Träger kultureller Bedeutungen versteht, fragen wir uns, wie Inhalte, die weit über einen stilistischen Kanon hinausgehen, durch das Äußerste eines Gebäudes transportiert werden können. Gegenwärtige Krisen, als räumliche und zeitliche Wendepunkte, bzw. als eine Phase des Übergangs stellen uns vor wesentliche Herausforderungen in der Architektur. Um diese Wendepunkte anzusteuern ist nachhaltiges Bauen und die Entwicklung von zirkuläre Strategien absolut notwendig. Umweltauswirkungen von Bauprojekten müssen erheblich reduziert werden, gleichzeitig können zirkuläre Strategien sogar eine Wertschöpfung steigern. Dass sich dadurch zeitgenössisches Design entwickeln muss, um einerseits ästhetisch zu Überzeugen und um andererseits flexibel einsetzbar und allgemein belastbar zu sein, scheint klar. Die Akzeptanz von Wiederverwendungspraktiken zur Schonung der natürlichen und gebauten Umwelt markiert einen entscheidenden Schritt in der Architekturwende. Die Architekt:in als Bricoleur bewertet den Baubestand neu, nicht nur als Materialquelle, sondern auch als Inspirationsquelle. Diese Perspektive fördert nachhaltige, ./studio3 Institut für Experimentelle Architektur Universität Innsbruck, 2025 ressourcenschonende Bauwerke, die gleichermaßen künstlerische, soziale, ökologische und ökonomische Aspekte vereint, indem vorhandene Elemente auf innovative Weise in einer tektonische Assemblage zusammenfügt werden. Dabei sind eine herausragende Gestaltungssensibilität und umfangreiche architektonische Kenntnis notwendig, um nicht in die bekannte Falle undifferenzierter pseudotraditioneller Baustile zu tappen. Ein konsequenter Materialkreislauf könnte dabei helfen, die Auswirkungen der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung zu minimieren und gleichzeitig die Verschwendung von wertvollen Bauprodukten zu vermeiden. Ein solcher Ansatz würde nicht nur ökologische Vorteile bringen, sondern auch die Möglichkeit, eine zukünftige kulturelle Identität und eine neue Ästhetik von Räumen zu entwickeln. Damit würde eine Baukultur gefördert, die gleichermaßen nachhaltig, innovativ und kulturell verankert ist. Die örtlichen Gegebenheiten und individuellen Rahmenbedingungen erfordern kein allgemein gültiges Rezept, sondern eine Vielfalt von Ansätzen, die fortlaufend überprüft und adaptiert werden müssen. Außerdem ist ein kontinuierlicher interdisziplinärer Dialog notwendig, um die komplexen Wechselwirkungen und Synergien zu verstehen, um die verschiedenen Sektoren verknüpfen zu können. Konkret am Beispiel eines aktuellen Bauprojekts werden wir begleitend zum realen Planungs und Bauprozess, Strategien entwickeln, um verschiedenste Themen der Nachhaltigkeit und damit auch eben genannter Designfragen zu bearbeiten. Entstehen sollen verschiedenste prototyp-fähige Fassaden, welche nicht nur verfügbares Material wiederverwenden, sondern auch ästhetische und gesellschaftliche Fragen aufwerfen und bearbeiten.
Kickoff:
Die Einführung findet am Donnerstag, 02.10.2025 um 13:00Uhr am Institut für experimentelle Architektur ./studio3 statt.


